Wie extrahiert man Bilder aus Word?
Kennen Sie das? Ein Kunde erteilt Ihnen einen Auftrag zur Gestaltung einer umfangreichen Broschüre o.Ä. Voller Stolz über das eigene Können liefert er Ihnen alle Daten mit der Bemerkung: Er habe schon gute Vorarbeit geleistet und alles in Word vorbereitet. Es habe zwar lange gedauert, aber die Broschüre sei nun schon so gut wie fertig.
Ohne die Daten noch genauer sichten zu wollen, fällt jeder Layouter nach diesem Satz aus heiterem Himmel und denkt: “Gepriesen sind alle Praktikanten!” – wenn denn einer da ist.
Für den häuslichen Gebrauch oder das Schreiben eines Briefes/Aufsatzes ist Word sicherlich ok. Für den professionellen Anwender aus der Druck- und Medienbranche, dem es darum geht, das am Bildschirm Dargestellte möglichst exakt auszugeben, ist Microsoft Word das Grauen schlechthin.
Trotzdem gehört Word mit seinem DOC-Format wegen der großen Verbreitung beinahe zum täglichen Brot eines Layouters. Schwierigkeiten bereitet Word hauptsächlich im Umgang mit Bildern und der fehlenden Unterstüzung von CMYK.
Ich habe mehrere Versuchsreihen unternommen, in Microsoft Word eingebettete Bilder sauber d.h. in der ursprünglichen Auflösung inkl. Farbprofil aus einem Dokument “rauszubekommen”.
Kopiert man ein Bild aus Word in die Zwischenablage und fügt es in ein Bildbearbeitungsprogramm ein, verliert man das angehängte Farbprofil. Das führt dazu, das Farben falsch dargestellt werden (vergl. Abb.).
Vielleicht kommt man auch auf die Idee, über den Adobe Distiller zuerst ein PDF der Daten zu erstellen. Immerhin bietet Acrobat Professional die Möglichkeit alle Bilder eines PDF zu exportieren. Beim Schreiben des PDF aus Word kann es dann jedoch dazu kommen, dass einzelne Bilder in Segmente (Teilbilder) zerlegt werden und für einen späteren Einbau in einem “echten” Layout-Programm unbrauchbar sind.
Wie macht man es also richtig? Wie so oft ist einfachste meist die beste Lösung. Man speichert das Word-Dokument als Webseite. Alle enthaltenen Bilder werden dann in einem Ordner gesammelt: als Proxybild1 und in Originalauflösung. Die ursprünglichen Dateinamen sind aber in jedem Fall verloren, außer sie sind im Tag gespeichert worden.
Was passiert eigentlich mit CMYK-Bildern? Word ist ein reines RGB-Programm und kann mit CMYK nichts anfangen. CMYK-Bilder werden deshalb in RGB umgerechnet. Das Farbprofil geht bei der Transformation verloren, da Word kein Farbmanagement besitzt. Die Auflösung und Größe des Bildes bleiben beim Speichern als Webseite aber erhalten. Die einzige Möglichkeit CMYK-Daten in Word zu erhalten, geht über die Einbettung von EPS-Files.
Note: Auch wenn es den Eindruck erweckt: In diesem Artikel geht es nicht darum Microsoft Word schlecht zu machen. Microsoft Word gehört zu den in Unterhemen am meisten verbreiteten Software. Allerdings ist die Anwendung für die Ausgabe auf Printmedien nicht gemacht.
Was ist also zu tun, wenn die notwendigen Betriebsmittel nicht vorhanden sind, man aber trotzdem eine bestmögliche Qualität erzielen will?
Lesen Sie den Artikel Anleitung zur Weitergabe von Rohdaten an einen Layouter
1 runtergerechnete Version des Originals zur Anzeige am Monitor












